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Asienkrise 2.0: Der China-Crash

April 19, 2014

Die Weltwirtschaft hat sich nach der Finanzkrise wieder erholt. Sie brummt sogar. Doch unlängst droht neuer Ungemach, und das von einem Hauptmotor der globalen Konjunktur. Die Rede ist vom Drachen in Fernost, der Volksrepublik China. Maßgeblich der Immobiliensektor sollte Anlass zur Sorge liefern. Im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums und der fehlenden Möglichkeit, Kapital zu investieren, boomt die Baubranche. Neue Wohnungen sprießen wie Pilze. Allerdings werden diese kaum genutzt. Es entstehen regelrechte Geisterstädte. Die Immobilien selbst werden zum reinen Spekulationsobjekt. Wer baut oder kauft erhofft schlichtweg eine Preissteigerung und keine Mieteinnahmen. Diese Praxis ist soweit verbreitet, dass bereits ein erheblicher Anteil des Bruttoinlandsproduktes, nämlich fast ein Fünftel, durch die Branche erwirtschaftet wird.

Möglich wird der Bauwahn durch eine relativ laxe Geldpolitik Chinas. Kredite sind günstig zu haben, wodurch der einfache Gewinn lockt. Doch langsam kündigt sich die Kehrtwende an. In manchen Regionen fallen inzwischen die Preise. Erste Ausfälle sind zu beklagen. Der kommunistischen Administration ist das Überhitzen des Immobiliensektors ohnehin schon länger ein Graus. Doch nun war die Regierung von der Pleite des Immobilienunternehmens Zehjiang Xingrun Real Estate Co. im März diesen Jahres direkt betroffen. Der Konzern hat Schulden von weit über einer halbe Milliarden Dollar angesammelt, wobei gerade auch staatliche Gläubiger ihre Anteile abschreiben durften. Eine ähnliche Entwicklung lief der Subprime-Krise in den USA voraus. Im Westen blieb der Bankrott abseits einer kleineren Berichterstattung in der Fachpresse weitgehend unbeachtet. Bildet er jedoch wirklich den Auftakt zu einem Platzen der Blase, könnte es wieder unangenehm werden. Die chinesischen Bilanzen sind undurchsichtiger als die US-amerikanischen. Das Volumen der sogenannten Schattenbanken ist höher. Zugleich muss jedoch beachtet werden, dass die chinesische Volkswirtschaft (noch) kleiner als die der USA ist. Nun sind jedoch beide Wirtschaftsräume eng miteinander verwoben. Der Ausfall chinesischer Investoren für private aber auch staatliche Akteure, immerhin ist China der größte Eigner amerikanischer Staatsanleihen, würgt schnell die langsame Erholung ab. Europa und vor allen Deutschland wäre davon betroffen. Erheblicher als diese indirekte Wirkung wird aber die direkte sein. Der Motor deutschen Erfolges ist die Automobilbranche. Seit geraumer Zeit fokussiert sich diese auf China. So verkauft Volkswagen fast 50% seiner Fahrzeuge in China. Andere Marken bewegen sich auch auf diese Größenordnung zu. Bricht der chinesische Markt zusammen, muss mit herben Rückschlägen gerechnet werden. Die einseitige Wachstumsstrategie wird zur gefährlichen Falle. Ein Markt, der für Ausgleich sorgen könnte, ist nämlich nicht in Sicht. In der letzten Krise konnte noch China selbst für Milderung sorgen.

Dennoch gibt es kleine Beruhigungspillen. Einerseits hat die chinesische Administration das Problem schon seit längerem auf der Agenda. Man arbeitet fieberhaft daran, Luft aus der Blase abzulassen. So plant man eine intensive Regulierung der extensiven Kreditvergabe. Das Investitionsvolumen im Immobiliensektor wächst auch schon langsamer als der Rest der Wirtschaft. Als Ergebnis sieht man eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur, die, wie bereits erwähnt, hochgradig vom Immobiliengeschäft abhängt. Zwar erfährt die Volksrepublik dadurch das langsamste Wirtschaftswachstum seit fast zwei Dekaden, doch gelingt es den superkapitalistischen Kommunisten auf diese Weise Verwerfungen zu verhindern? Man sollte skeptisch bleiben und die Entwicklung genau beobachten. Zum einen um rechtzeitig reagieren zu können, zum anderen um vielleicht etwas aus Fernost zu lernen.

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