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Dauerbrenner Finanzmarktregulierung – Neue Mifid-Richtlinie zur Lebensmittelspekulation und dem Hochfrequenzhandel

Januar 25, 2014

Die EU-Kommission arbeitet intensiv an einer transparenteren Gestaltung des Börsenhandels. Dabei soll einerseits der Hochfrequenzhandel als auch die Spekulation mit Rohstoffen, allen voran Lebensmitteln, eingegrenzt werden. Diese Bereiche gelten zum einen als Treiber von Finanzkrisen und zum anderen sind sie Sinnbild für eine ungerechte Weltordnung, die einem geringen Bevölkerungsanteil auf der Welt Wohlstand verschafft, zeitgleich jedoch große Teile in relativer Armut hält. Dabei gilt sogar wohl rund ein Sechstel der Menschheit als absolute Verlierer. Paul Collier liefert hierfür mit seinem Buch „Die unterste Milliarde“ eine anschauliche Herleitung der betreffenden Größenordnung. Kurzum: Schneller Handel sorgt für Verwerfungen auf den Finanzmärkten, Lebensmittelspekulationen für Hunger und Tod.

Hiermit auch ein wenig das angekratzte Image aufzupolieren, dürfte zumindest ein anteiliger Faktor der Kommission gewesen sein. Bei diesem hochemotionalem Thema kann man doch fast nur gewinnen. Unabhängig der erwünschten positiven Reaktionen, die im übrigen aufgrund der späten Wirksamkeit ab dem Jahr 2017 in so mancher Kommentarspalte eher hämisch ausfielen, kaschiert man seitens der Politik nur, wie so oft, Symptome. Wie bereits angedeutet, müssen oder können diese Bereiche des Finanzmarktes als ein Treiber bestimmter Entwicklungen betrachtet werden. Folglich sitzen Probleme tiefer und somit fernab der Handelsplätze. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Lebensmittelspekulanten zwar gegebenenfalls von steigenden Preisen von Agrarprodukten profitieren, jedoch nicht der kausale Ursprung sind. Hierfür muss man den Blick zunächst auf die Wirkmechanismen der Terminkontrakte werfen. Diese sind hauptsächlich im Fokus der Kritik. Hierbei kauft der Spekulant einen Anspruch auf eine bestimmte Menge eines Produktes zu einem vorher bestimmten Preis, zum Beispiel Äpfel. Der Bauer kann sich somit gegen Preisschwankungen absichern. Dabei definiert er seinen Profit durch den festgelegten Preis. Der Terminhändler hofft dabei auf einen steigenden Wert an den Märkten, um so die dazwischen liegende Spanne als Gewinn einstreichen zu können. Wird der Apfelsaft also teurer, weil vielleicht der Sommer den Durst der Bevölkerung treibt, füllt sich die Tasche des Spekulanten.

Natürlich kann man nun den Händlern vorwerfen, künstlich eine Verknappung der Waren herbeizuführen. Das mag partiell Berechtigung finden, im großen Maßstab kann eine solche Strategie kaum funktionieren. Lebensmittel sind von verderblicher Natur. Ein Investor müsste also bereit sein, erheblichen Eigentum einzubüßen. Ein schlechter Handel also. Faktisch müsste die Spekulation und damit die größeren Handelsvolumen viel mehr zu höheren Investitionen führen. Damit erreicht man wiederum eine effektivere Landwirtschaft, wodurch perspektivisch langfristig mehr Menschen geholfen wird. Nimmt man einige handfeste Fakten zur Hand, wird diese Annahme konkreter. Das World Food Programme beziffert die Anzahl hungernder Menschen auf circa 842 Millionen. Die FAO, wie das World Food Programme eine VN-Organisation, spricht 1990 von knapp einer Milliarden Hungernden. Die absolute wie auch relative Anzahl ist damit gesunken. Alleine Lebensmittelspekulationen als Faktor hierfür anzusehen ist unmöglich. Ebenfalls politische, soziale und allgemein technische Fortschritte spielen auch eine wesentliche Rolle, wahrscheinlich sogar die entscheidendere. Diese wiederum stehen oft jedoch auch im Zusammenhang mit dem Kapitalismus als Idee, als Ideologie. Spekulationen und Investments sind da auch mit inbegriffen.

Auch sprechen bisher wenige Fakten gegen den Hochfrequenzhandel. Sicher scheint auch hier lediglich zu sein, dass die schnellen Transaktionen lediglich Trends verstärken. Ziel des schnellen Kaufen und Verkaufens ist es, bereits kleine Preisdifferenzen zu nutzen, um Profite zu erzielen. Diese Unterschiede bestehen nicht nur auf einer temporalen, sondern auch einer lokalen Achse. Das heißt, das auch Preisdifferenzen unterhalb verschiedener Handelsplätze mit genutzt werden können. Ein hohes Handelsvolumen soll dabei gleichzeitig die Transaktionskosten gering halten. Über etwa die Hälfte des Aktienhandels soll via dieser Praktik getätigt werden. Das bedeutet folglich, dass eine erhebliche Summe der Finanztransaktionen für den Menschen zeitlich nicht greifbar sind. Handlungsanweisungen folgen mittels Algorithmen, ein Rechner gibt den Auftrag in Bruchteilen einer Sekunde. Das wiederum verleiht ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit, da sich der Vorgang in seiner Geschwindigkeit und darüber hinaus natürlich auch bezüglich seines Volumens der Vorstellungskraft eines normalen Bürgers entzieht. Die Maschine scheint das Spiel zu kontrollieren, inzwischen nahezu ohne menschliches Eingreifen.

Hierbei wird befürchtet, dass sich unterschiedliche Akteure beziehungsweise Algorithmen spiralförmig gegenseitig beeinflussen, wodurch Trends erheblich verschärft werden. Die Hochs und Tiefs an den Börsen verlaufen demnach schneller und intensiver. Der sogenannte „Blitzcrash“ am 6. Mai 2010 steht sinnbildlich für diese Entwicklung und wird schon fast allegorisch für die Angst vor dem Hochfrequenzhandel genannt. Der Dow Jones brach innerhalb weniger Minuten um über 1000 Punkte ein, erholte sich jedoch auch wieder relativ flott. Langfristig sind solche Amplituden praktisch jedoch unbedeutend. Vielmehr noch sorgt die hohe Geschwindigkeit vermutlich sogar für eine höhere Liquidität und somit auch für eine höhere Effizienz auf den Finanzmärkten.

Die Bändigung des Finanzmarktes verkommt zusammenfassend schlichtweg zu einem opportunistischen Element der politischen Entscheidungsträgern der angeschlagenen EU. Zusammenhänge und Kausalitäten sind nahezu unbekannt, weswegen natürlich die Effizienz einer weiteren Regulierung des Finanzmarktes in Frage gestellt werden muss. Dass die Umsetzung auch alles andere als einfach werden wird, erscheint auch nicht weiter tröstlich.

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