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Der falsche Fünfer?

Mai 22, 2013

Nun ist er schon seit dem 2. Mai 2013 im Umlauf und doch noch nicht so recht angekommen. Die Rede ist vom neuen Fünf-Euro-Schein. Er ähnelt seinem Ahnen irgendwie, aber eben irgendwie auch nicht. Die stilistische Gestaltung ist im Prinzip die selbe. Das Gebäude auf der Frontseite ist lediglich aus einer anderen Perspektive zu sehen. Der Winkel, von dem aus der Betrachter sein Auge auf die Architektur wirft, ist etwas flacher. Dafür steht der Bau auf einem geraden, solide wirkenden Sockel. Auf der Rückseite findet sich auch immer noch das Aquädukt. Doch es führt nicht mehr nach, sondern über Europa. Die Symbolik hinter dieser Entscheidung ist zwar nicht offiziell bekannt, doch kann man sich im Zuge der Eurokrise nicht eines kleinen Schmunzelns erwehren. Der Geldstrom oberhalb des Projektes Europa, nicht mehr als Vehikel? Aber auch der Winkel der Perspektive ist flacher. Die Größe oder Nähe zum Bauwerk ist kleiner.

Die weiteren Veränderungen wiederum sind wohl gravierender. Die Position und das (gefühlte) Gewicht der den Wert repräsentierenden Zahlen unterscheidet sich deutlich vom ursprünglichen Schein. Das Wort Euro ist gleich in drei Sprachfamilien abgebildet. So befindet sich nun neben dem lateinischen Schriftzug EURO nicht mehr nur noch das griechische EYPΩ, sondern auch das kyrillische ЕВРО. Eine recht interessante Neuerung im Zuge der Osterweiterung, die ja letztendlich die serbische Sprachfamilie mit zu integrieren versucht.

Auch die Sicherheitsmerkmale, auf denen ja das Hauptaugenmerk liegt, haben sich gewandelt. Der Hologrammstreifen ist teilweise unterbrochen und zeigt nun neben der 5 und dem Euro-Symbol noch das Bauwerk und den Kopf einer Dame, der wohl zu der griechischen Sagengestalt Europa gehören soll. Die Fünf auf der Frontseite unten links ist smaragdgrün.

 

An und für sich ist die Idee der Neuerung der Scheine sehr interessant. Symbolisch bewegt man sich auf mehr Europa hin. Die Sicherheitsmerkmale zu verbessern ist auch alles andere als ein falscher Gedanke. Jedoch folgt hier das große: Aber…

…die Umsetzung ist äußerst mangelhaft. Zahlreiche Automaten erkennen die neuen Banknoten nicht. Der Vorlauf für die Softwareupdates scheint deutlich zu kurz gewesen zu sein. Seien es nun Fahrkarten, Parktickets, Snacks oder Kaffee. Oft muss man verlegen vor der Maschine stehen bleiben und hoffen, dass sich jemand erbarmt und das Geld wechselt. Das sorgt bereits bei der Einführung für Frust und das in dem ohnehin brüchigen Verhältnis zwischen Bürger und Gemeinschaftswährung. Nicht einmal die Spielgeld-Optik schafft Abhilfe. Vielmehr müssen sich sogar viele Kassierer noch an den Neuling in der Geldbörse gewöhnen. Dass der Fünfer nicht als einziger wiedergeboren wird, spendet keinen Trost. In den nächsten Jahren sollen die anderen Banknoten folgen.

 

Das Fazit bleibt entsprechend nüchtern. Die neuen Banknoten sind nicht der große Wurf. Weder die technische noch die optische Umsetzung überzeugen. Die Scheine sind neu, etwas anders, aber doch eben gleich. Mit dem Erscheinungsbild hätte man wirklich neue Zeichen setzen können. Die verhaltene Neugestaltung schafft kaum neue Sympathien. Interessant wären engere personelle Anbindungen an das Projekt Europa gewesen. Statt Europa verlegen als Sagengestalt versteckt darzustellen, sollten Köpfe, die die europäische Idee vorantrieben, das Bargeld zieren. Wie wäre es denn vielleicht mit Richard Coudenhove-Kalergi, Émile Borel, Christian Heerfordt, Robert Schuman oder Konrad Adenauer? Noch nie von einigen dieser Männer gehört? Hier hätte man durchaus Impulse zur Beschäftigung des europäischen Gedankens seitens der europäischen Instanzen schaffen können. Leider eine verpasste Chance.

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