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Kooperation in Uneinigkeit – Mali und Europa

Januar 22, 2013

Das Fallbeispiel Mali offenbart die sicherheitspolitische Entwicklung für mittel-, wenn nicht gar langfristige, sicherheitspolitische Ausrichtung in Europa. Das Credo lautet eindeutig Kooperation. Damit werden Vorstellungen über eine gesamteuropäische Armee zunächst begraben. Doch wie kommt man zu so einem Schluss?

Die wechselhafte Geschichte europäischer Großmächte spielt hier eine zentrale Rolle. Frankreich blieb auch nach den Dekolonisationsprozessen Mitte des letzten Jahrhunderts eng mit seinen ehemaligen Kolonien verbunden. Das äußert sich nicht nur in den sprachlichen Hinterlassenschaften, wodurch beispielsweise die malische Amtssprache heute immer noch französisch ist, sondern auch in engen ökonomischen Kooperationen und in der sicherheitspolitischen Unterstützung sowie einer Art damit verbundenen Verantwortungsgefühl. Die Nähe, die sich aus den Kolonialbeziehungen speist, ist kein Alleinstellungsmerkmal Frankreichs. Man nehme nur einmal das Beispiel Italien und Libyen, Großbritannien und Kanada oder die USA.

Hieraus ergeben sich unterschiedliche Interessenlagen, die letztendlich auch in strategischen Erwägungen der Sicherheitspolitik gipfeln. Genau dieser Aspekt verhindert eine Vereinigung europäischer Streitkräfte zu einem gesamteuropäischen Gewaltmonopol. Ziele, Anschauungen, Prämissen und Prioritäten decken sich nicht. Dadurch ist die EU in Bestrebungen eine europäische Armee auszuheben dazu verurteilt, dies alleine auf Ebene eines Militärbündnisses zu belassen.

Jedoch offenbart Mali auch eine weitere Tendenz in der Sicherheitspolitik. Die zunehmende Kooperation unterschiedlicher Streitkräfte, die sogar über Europa und die NATO hinausreicht, wird immer deutlicher. Ist man auch nicht bereit, seine eigenen Soldaten in das Frontgeschehen einzubinden, besteht die Bereitschaft logistische Hilfe zu leisten. In der verteidigungspolitischen Konzeption in Europa muss man folglich über den Aufbau dieser Kernkompetenzen nachdenken. In Konsequenz bedarf es demnach der Schaffung einzelner spezialisierter und transnationaler Truppenstrukturen für unterstützende Einsätze. Weiterhin gewinnt die Absprache in der Beschaffung von Waffen und dem Aufbau von Strukturen der einzelnen nationalen Streitkräfte an Bedeutung, um überhaupt gemeinsame Unterstützung leisten zu können. Mit diesen Schritten könnte man sich auf dem Alten Kontinent ein Stück weit von der Neuen Welt emanzipieren. Die Notwendigkeit wird durch den neuen Fokus der USA auf den pazifischen Raum bestärkt.

 

 

 

 

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From → Politik, Sicherheit

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