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Mythos Fachkräftemangel

März 20, 2012

Es ist schon fast ein Allgemeinplatz geworden, dass gut ausgebildete Kräfte in Deutschland nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen sollen. Seien es Ärzte, Pflegekräfte, Ingenieure, Mathematiker oder zahlreiche andere Berufe, die dem Aussterben anheim zufallen scheinen. Vor allem der VDI (Verein deutscher Ingenieure) rührt hierbei kräftig die Trommel. Die Argumente oder vielmehr die Aussagekraft des Vereines steht allerdings auf sehr wackeligen Füßen. So stützt sich dessen Prognose auf die gemeldeten freien Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit, die mit einem relativ willkürlichen Faktor multipliziert wird. Dieser soll nicht gemeldete freie Ingenieurstellen repräsentieren, wobei hier jedoch keine nähere Studie zu den „Schwarzzahlen“ vorliegt. Das DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) zweifelt an einen gefährlichen Mangel in der Branche. In einer Pressemitteilung ließ das DIW sogar die Vermutung verbreiten, dass mit einem Überangebot von Fachkräften im Ingenieurwesen zu rechnen sei.

Es wurde also ein permanenter Eindruck erzeugt, Ingenieure seien Mangelware und hätten folglich auf dem Arbeitsmarkt keinerlei Probleme. Das kann mitunter für die hohe Beliebtheit entsprechender Studiengänge verantwortlich sein. Hier wiederum wird der Grundstein für einen intensiveren Wettbewerb gelegt. Ein Resultat sind sinkende Löhne oder Arbeitsbedingungen. Diese Problematik wird sogar noch weiter forciert, indem die weite Öffnung des Arbeitsmarktes für ausländische Fachkräfte vorangetrieben wird.

Auch der Blick in die Leih- und Zeitarbeitsbranche scheint nicht mit der Meinung des VDIs übereinzustimmen. Gerade die Automobilbranche nutzt geliehene Fachkräfte, um so ein hohes Maß an Flexibilität zu wahren. Der Leiharbeiter unterliegt hierbei einer anderen Bezahlung sowie anderen Arbeitsbedingungen als seine Kollegen. Auf die üppigen Gewinnbeteiligungen, die im letzten Jahr erwirtschaftet worden sind, muss auch verzichtet werden. Von der Lebensqualität ganz zu schweigen. Wie soll eine vernünftige Lebensplanung mit einer solchen Stelle erfolgen? Kann man ein Haus ohne die Gewissheit einer langfristigen Anstellung finanzieren?

Auch die Pflegekräfte stehen vor enormen Problemen. Es handelt sich hier um ein Berufsbild mit hohen Anforderungen an körperliche Fähigkeiten wie auch den sozialen. Zusätzlich sollen die Pfleger auch noch medizinisch qualifiziert sein. Die Lohnaussichten jedoch sind alles andere als rosig. Um dennoch den Bedarf zu decken, weichen diverse Agenturen auf den osteuropäischen Arbeitsmarkt aus und vermitteln ausländische Fachkräfte. Der Lohn auf dem deutschen Arbeitsmarkt werden gesenkt, der im Ausland wird gesteigert. Ein Ungleichgewicht tritt auf.

Natürlich sind nicht nur Ingenieure und Pflegekräfte betroffen, allerdings halte ich diese Gruppen für die Hauptbetroffenen. Auch eine gewisse Dualität von Mittelschicht und Prekariat soll hiermit ausgedrückt werden. Ein vernünftiges gesellschaftliches Gefüge steht folglich auf dem Spiel.

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