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China, ein Drache im Sinkflug?

Januar 11, 2012

Kaum ein Land kann in seiner jüngsten Vergangenheit auf ein Wachstum zurückblicken wie China. Bereits seit den 1980er Jahren wächst die Wirtschaft, meist im zweistelligen Bereich je Jahr. Dabei saugt das Reich der Mitte zahlreiche Rohstoffe, insbesondere Öl und Metalle, und sorgt für hohe Preise auf dem Weltmarkt. Mit diesen werden zahllose Produkte billig gefertigt, was wiederum die chinesische Wirtschaft treibt. Hieraus aber ergibt sich ein hohes Maß an Abhängigkeit von der Exportwirtschaft wie aber auch vom Import der Rohstoffe. Kriselt die Weltwirtschaft, steht auch China vor gewaltigen Problemen. Dementsprechend dürfte die Euro-Krise sowie die überdimensionale US-Staatsverschuldung für Nervosität in Fernost sorgen.

Der Punkt Staatsverschuldung ist bei weitem kein externes Problem. Offiziell liegt die Schuldenquote bei etwa 25% des BIP. Dabei sind jedoch die Schulden der Kommunen nicht berücksichtigt und die haben gewaltiges Gefahrenpotential, immerhin kursieren Zahlen von einer realen Schuldenquote von 80 – 90%, also circa ein Verhältnis, wie es in der Bundesrepublik zu beobachten ist. Der Unterschied ist die massive Inflationsrate, die bei 4 % liegen dürfte.

Weiterhin wirkt sich der Wirtschaftsboom auch deutlich auf das Inland aus. Nicht nur zahlreiche ausländischen Kräfte und Firmen, die auch ihren Anteil am gewaltigen Wachstum sichern möchten, zieht es in die Städte des Landes, sondern auch Millionen von Wanderarbeitern, die vor allen in der Baubranche ihren Unterhalt bestreiten möchten. Die künstlich hoch gehaltene Entwertung des Geldes durch die chinesische Finanzpolitik, um Wettbewerbsvorteile zu sichern, sorgt bei dem verarmten Teil der Bevölkerung jedoch für einigen Unmut. Das soziale Gefälle wird steiler, das Risiko für Unruhen aber wächst damit.

Aber auch die Bau- und Immobilienbranche birgt einigen Zündstoff in sich. Das gewaltige Wirtschaftswachstum und die Landflucht führt zu einem hohen Bedarf an Wohn- sowie Gewerbeflächen in den Großstädten. Für Spekulanten eine interessante Investition, konnte sich vor nicht langer Zeit eine Kauf sogar noch am gleichen Tag bezahlt machen. Leider wurden die Immobilien meist nur als Verkaufsgut betrachtet und nicht dem Markt zur Nutzung zugeführt. Die Blase, so berichtete das Handelsblatt noch Ende August 2011, nimmt daher bedrohliche Ausmaße an. Fällt der Immobilienmarkt, hat die Baubranche ein schweres Los und damit auch die Wanderarbeiter. Die Zeichen verdichten sich. Die Börse in China konnte nicht von der allgemeinen Aufbruchstimmung des Neujahres profitieren. Die Shanghai Composite tritt auf der Stelle.

Doch auch weitere Entwicklungen sollten bedacht werden. Der noch anhaltende Wachstum generiert eine bürgerliche Schicht, die nachdem sie dem Konsum etwas überdrüssig geworden ist, irgendwann politische Rechte fordern wird. Muss sich die Volksrepublik irgendwann liberalisieren? Diese Entwicklung könnte mit den Herausforderungen der Unterschicht zusammentreffen. Schon jetzt finden zahlreiche Streiks wegen der sehr harten Arbeitsbedingungen in Fabriken statt. Lohnzuwächse und bessere Konditionen könnten das Bild vom absolutem Billiglohnland wandeln. Das aber war und ist Chinas Potential für sein Wachstum. Hier muss die kommunistische Partei wohl umsteuern und auch den Binnenmarkt beleben.

Zusammenfassend steht China also vor den Herausforderungen der extremen Abhängigkeit vom Weltmarkt, was Import und Export betrifft, dem drohenden Zusammenbruch des Immobilienmarktes, sozialen Verwerfungen und der Notwendigkeit das ideologische Konzept an die neuen gesellschaftlichen Strukturen anzupassen. Hierbei sind Erfordernisse im Umweltschutz noch nicht einmal berücksichtigt. Wird die Volksrepublik also ein Drache bleiben oder ist die Echse vom Aussterben bedroht?

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5 Kommentare
  1. Das Problem Chinas ist wohl eher das es der Westlichen Wirtschaft Tür und Tor geöffnet hat. Damit verschärfen sich die sozialen Probleme und es kommt zu Unruhen.
    Das passiert in jedem Land wo der Westen ein und aus geht und den Markt/die Gesetze diktiert oder kontrolliert.

    Sich der westlichen Kultur der Raffgier entgegen zu stellten, schafft man jedoch nur wenn man nicht von der westlich dominierten Weltbank und seiner WTO abhängig wird. Kein wunder das sie beim Rating ganz unten stehen, das bewertet ja auch die Verwertbarkeit von Ländern für Konzerne, aber das kann einem dann auch egal sein.
    Bestes Beispiel die Alba-Staaten, Venezuela, Kuba und andere stehen in Punkto Zufriedenheit und Gerechtigkeit meilenweit über alle führenden Industrieländer sind aber extrem mies bewertet. Dem steht Honduras gegenüber das 2010 dank dem Westen einen Diktator an die Macht geputscht hat und seitdem nur noch rücksichtslos geplündert wird, wobei der stärkste (und brutalste z.b. Monsanto & co) gewinnt.
    In Ostdeutschland ist ja genau das gleiche passiert. Kaum war die Mauer unten, hat man alle Errungenschaften abgeschafft und das Volkseigentum ruckzuck legal dem Volk enteignet. Dabei hätten wir als Billiglohnland des Westens prima von ihm leben können. Und in den anderen Ostblockstaaten ist es das gleiche…
    Näheres dazu kann man hier nachlesen: http://antilobby.wordpress.com/ostdeutschland/von-mythen-marchen-iv-wirtschaft-sport/

    Langfristig ist daher abzusehen, das der Chinesische Drache entweder ganz in die Hände des Westen fällt oder das die Kommunisten radikal aufräumen und den Binnenmarkt für den Westen zumachen, dann können sie als Billiglohnland prima vom Westen leben und ihr Land gehört ihnen auch weiterhin.

    Uns kann es jedenfalls nur helfen wenn es Gegenentwürfe zum Kapitalismus auf der Welt gibt, das eben nicht nur auf Gier setzt. Das die in unseren neoliberalen Dienstleistungspresseimperien nicht gut weg kommen, sollte klar sein.
    Das idiologische Konzept des Kapitalismus ist jedenfalls nicht die Lösung, denn es setzt zwingend Wachstum vorraus – leider wächst der Planet nicht mit dem Hunger der Konzerne und daher bleibt bei diesem Modell auch die Menschlichkeit auf der Strecke was zwangsläufig zu sozialen Unruhen führen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit wann es knallt.
    Mal sehen wie lang sich die Griechen das noch bieten lassen.

    Bei unseren 64 Mio NeuOssis hab ich da allerdings meine Zweifel, die meissten denken das das System reparierbar ist, aber Gier ist nunmal nicht reparierbar oder besser gesagt heilbar. Es braucht radikalere Ideen um eine bessere Gesellschaft aufzubauen.

    • Die partielle Öffnung für den Westen, insbesondere das Wirtschaftssystem, hat China als Staat erst überleben lassen. interessanter Weise sind die Chinesen an einem Kulturexport o.ä. gar nicht interessiert, auch nicht am Festhalten einer Ideologie. Es gilt meiner Einschätzung anch eher der Pragmatismus als Leitfaden.

      Bezüglich der Kapitalismuskrtik möchte ich widersprechen. Natürlich setzt dieser Wachstum voraus, was aus meiner Sicht weniger ein Problem darstellt. Im Gegenteil, diese Abhängigkeit zwingt zur Findigkeit und kreativer Problemlösung. Andere Gesellschaftsmodelle haben in diesem Punkt versagt, insbesondere sozialistische bzw. kommunistische. Die Entkoppelung von individueller Leistung und Leistungsbereitschaft hin zu einem kollektiven Akteur büßte die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem ideologischen Feind ein. Dazu lies der politische Output doch sehr zu wünschen übrig, woraus eine mangelnde Transformationsfähigkeit entstanden ist oder noch entsteht. Hier wird China nach meiner Betrachtung die größten Schwierigkeiten erhalten.

      • Das ist das was dieses System den Menschen erzählt, leider prüft ihr nicht den Wahrheitsgehalt. Ihr verlasst euch lieber auf das was man euch vorsetzt.
        Du hast dir weder internationale Statistiken zur entschuldung angeschaut noch jemals analysiert wie Potent die DDR sogar noch 1989 war. Tatsächlich hat man die ganze Wirtschaft wesendlich mies geredet, um sie sich kostenlos unter den Nagel zu reissen. Diese Schulden stellen im Vergleich zu dem was wir heute pro jahr so an Banken, Länder, EZB, EU usw. verschenken Peanuts dar.
        Es ist die pure Indoktrination dieses System als das einzig mögliche zu präsentieren und den Sozialismus grundsätzlich als Feindbild zu konservieren, womit man gleich auch die Linke abschießen will die ja durchaus bei Mehrheit einiges ändern würde. Das wird auch durch Button bestätigt der sich eh schon längst lustig darüber macht, was sich die Mehrheit der Völker so alles von ihren korrupten Regierungen bieten lässt.
        Wir haben zwei Systeme erlebt, wir wissen was besser ist für uns und das hier ist es nicht.

  2. Ich sehe das anders. Das sozialistische System konnte wirtschaftlich als auch politisch kaum mithalten, ansonsten hätte das System ja überlebt. Bereits Anfang der 80er Jahre deutete sich nach Herrn Mittag der finanzielle Zusammenbruch der DDR an. Wer, wenn nicht der Tentralsekretär für die Planwirtschaft könnte das wohl besser einschätzen?
    Auch politisch war man nicht fähig zur Anpassung.
    Weiterhin widerstrebt es mir, dass derzeitige System als das schlechtere zu charakterisieren. ICh weiß durchaus um meine Freiheiten,Chancen und Perspektiven, die ich so innerhalb der DDR nicht gehabt hätte. Für das brauche ich nicht einmal die Indoktrination dieses Systems, da meine Familie aus der DDR stammt. Zwar hatte man dort auch seine Möglichkeiten und gewiss gab es auch nicht nur Leid. Im direkten Vergleich hinkt der Sozialismus dann allerdings doch arg hinterher.

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  1. Das Reich der Mitte noch im Gleichgewicht? « Politik und Werte

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